Wanderstempel in Deutsch-Südwestafrika

Einleitung
In der deutschen Kolonialpostgeschichte nehmen die sogenannten Wanderstempel einen besonderen Platz ein – provisorische Poststempel, die von einer neu eingerichteten Station zur nächsten weitergegeben wurden. Ihre Existenz hing mit der raschen Ausweitung des Postnetzes in Deutsch-Südwestafrika (DSWA) zusammen, wo zahlreiche Postagenturen und Hilfsposten entstanden, oft im Zusammenhang mit dem Bau der Eisenbahnen oder mit militärischen Operationen. Da die Lieferung der regulären Stempel aus Deutschland sich häufig verzögerte, waren Provisorien notwendig – und gerade diese kennen wir heute als Wanderstempel.

 

Historische Umstände
An der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert war die Kolonie Schauplatz militärischer Konflikte (Herero- und Hottentottenaufstand). Gleichzeitig erfolgte der Bau der Eisenbahnlinien von Swakopmund ins Landesinnere (die sogenannte Otavibahn) und von Lüderitzbucht nach Osten (die sogenannte Südbahn). Die Postverwaltung musste flexibel auf die Bedürfnisse von Armee und Zivilverwaltung reagieren und Stationen oft eröffnen, noch bevor die endgültigen Stempel aus Deutschland eingetroffen waren. In diesen Situationen kamen die Wanderstempel zum Einsatz, wobei die Ortsnamen durch Gummistempel oder Holzstempel, in manchen Fällen sogar handschriftlich, ergänzt wurden.

 

 

Die einzelnen Wanderstempel
In DSWA sind insgesamt fünf Wanderstempel nachgewiesen, von denen jeder seine eigene Geschichte hat und an verschiedenen Orten eingesetzt wurde.

Wanderstempel I: ursprünglich in Aus (1906), anschließend weitergegeben nach Brackwasser und schließlich nach Kuibis.

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 Wanderstempel II: nejdéle používaný, od Otavi (1899) přes Kapenousseu/Waldau až po Okowakuatjiwi (později Kalkfeld).

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Wanderstempel III: eingesetzt in Epukiro und zuvor auch in Hasuur.

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 Wanderstempel IV: von Gochas über Abbabis, Kalkfontein (Süd), Gochaganas bis nach Seeheim; später im Krieg erneut bei Otavifontein verwendet.

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 Wanderstempel V: erneut eingesetzt in Gochas, anschließend in Otjiwarongo und während des Krieges nochmals für die Feldpost verwendet.

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 Bedeutung für Sammler
Die Wanderstempel stellen ein einzigartiges Kapitel der deutschen Kolonialphilatelie dar. Aufgrund ihres kurzfristigen und provisorischen Einsatzes sind sie heute auf postalischen Belegen sehr selten. Der Wert einzelner Stücke variiert je nach Ort und Datum der Verwendung – so werden beispielsweise Abschläge aus Okahandja hoch geschätzt, während manche spätere Verwendungen (z. B. die massenhaft hergestellten Abschläge aus Kuibis 1907) einen geringeren philatelistischen Wert besitzen. Die Identifizierung ist besonders kompliziert bei Stempelabschlägen ohne beigefügten Ortsnamen; hier kann eine genaue Zuordnung nur durch den Vergleich des Datums und bekannter Belege erfolgen.

 

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